Zürich, um Null

Und stehe auf und bin
nah an der Stadt
die auch aus diesen Räumen ist:
treibender Staub
Ritzen unter den Türen
durch die Licht sickert
und bin
bei den Kindern
die perlen in ihrem Leben
wie die Blasen in der Wasserflasche
die offen auf dem Küchentisch steht.
Schwaden Dampf von den Fensterbrettern
und die Stadt und unsere Straße
die Peitschenlampen, der rissige Asphalt
schimmern durch Schleier wehenden Wetters.
So lange verwandeln wir die Dinge zurück
in das, was sie sind – Tisch, Teller und Glas.
Salzig von der Nacht
taumeln wir einander zu
ein stundenlanges Wiedersehen.
Quittengelee, während die Sonne
sich durch den Reif brennt
die Schatten zu ticken beginnen.
Märchen aus Messerchen und Gäbelchen
in dem wir uns selbst spielen
tapfere Figuren in einer Geschichte
die nichts will oder kann
als diesen Morgen erinnern.
Geräusch von Milch
in einem Glas, das voller wird
und voller.

Tapete

Ich lernte, lernte mittags in Großmutters Bett:
Kreise fangen nirgendwo an und Kreise
hören nirgendwo auf. Du kannst sie
mit den Augen eine Stunde lang abfahren
du kannst auf ihnen eine Stunde lang
unterwegs sein, dass deine Pupillen
sich selbst nachjagen wie der Hund
des Nachbarn immer wieder seinem Schwanz nachjagte
in der einen Stunde zwischen Zwölf und Eins
die mich Großmutter ins Bett steckte…

Du sollst schlafen, sagte sie
aber von Tapete und Hunden
hatte sie keine Ahnung.

 

Dinge müsste ich finden 

Verschmortes, Karossen, das Skelett eines Kaninchens
mit ein wenig Flaum noch
im Gras verfangen, doch nichts in Sicht
an diesem hohen Morgen.
Die Dörfer stehen in ihren Ställen aus Wald
dampfen zwischen den Feldern.
Ich spüre ihren Atem zwischen den Schultern.
Der Sommer haftet an nichts
als der Schar Spatzen, wie Spreu
in die Luft geworfen
und niedergesunken
in die nächste Furche.
Kohlborn, verkrauteter Winkel
wo in den Wagenspuren die Gummis liegen
schimmernde Fragezeichen.
Was will ich singen hier? Der Farn
legt sich mir um die Beine
öffnet sich, schließt sich
rauschend, warm
und das ist alles
genug.


Hinterland

Im Winter sind in den Bäumen
die Nester zu sehen.

Wenn Wärme dampft innen
sehe ich, was ich selbst bin.

Ein Nest Rippen, ein Herz
an dem ich brüte. Wie lange?

Lange.

+

Die Nacht trägt das Schweigen im Maul
bringt es von einem Nest ins andere.

Ich bin durch die Zähne der Sprache gerutscht
ringle mich ein, versuche zu schlafen
unter einem riesigen Himmel.

+

Aber die Worte, die ich liebe
lassen sich sagen mit der Stimme des Bettlers
mit der Stimme von einem
der über kahler Erde die Hand aufhält
und wartet.

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Platons Falter

Ameisen zerschnitten
einem Falter die Flügel
auf dem Absatz vor unserer Tür.

Stück um Stück
verschwand in Rissen
und staubigen Winkeln.

Als auch vom Körper keine Spur mehr war
ging ich hinaus in den Tag
den Falter vor Augen

weder wie ich ihn sah
noch als Summe von Teilen –
lebendig, mit der Kraft einer reinen Idee.


Um die Dinge ganz zu lassen

– für die Lebenden, für die Toten –

Alle Abende ballten sich
in der Höhe Gewitter.
Wäsche leuchtete aus den Gärten.

Alle Abende saßen wir draußen
unsere Gesichter winzig
in den Rundungen der Gläser.

Auf der alten Schaukel am Baum berührte ich
mit den Fersen den Tag, mit den Zehen
die Nacht.

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